Über 650 Bürgerinnen und Bürger kamen zur Informationsversammlung

„Überwältigendes Interesse“ an Regionalem Gewerbeschwerpunkt und dem möglichen Bürgerentscheid

Projektfoto Regionaler Gewerbeschwerpunkt

Das Vorhaben „Regionaler Gewerbeschwerpunkt“ bewegt Schwieberdingen: Über 650 Bürgerinnen und Bürger kamen am 11. April 2019 in die Turn- und Festhalle, um sich auf Einladung der Gemeindeverwaltung über das Vorhaben und den möglichen Bürgerentscheid zu informieren. Der Andrang war sogar so groß, dass nicht alle Interessierten Platz fanden.
 
Bürgermeister Nico Lauxmann sprach in seiner Eröffnungsrede von einem „überwältigenden Interesse“ der Bürgerschaft. Als Gäste begrüßte der Bürgermeister den technischen Direktor Thomas Kiwitt vom Verband Region Stuttgart, Matthias Lutz von der Wirtschaftsförderung der Region Stuttgart sowie Daniela Rathe und Oliver Bronder von der Porsche AG. Zahlreiche Gemeinderäte und viele Medienvertreter waren ebenfalls erschienen.
 
Zunächst ging der Bürgermeister auf die Schaffung von Wohnraum ein. „Wir müssen Familien die Möglichkeit geben, in unserer Gemeinde zu bleiben oder neu in unsere Gemeinde zu kommen. Deshalb intensivieren wir unsere Anstrengungen, neben der Nachverdichtung weitere Möglichkeiten umzusetzen.“ Der Bürgermeister berichtete über die Zielsetzung, das Neubaugebiet „Zollstöckle“ zu realisieren. Es befindet sich bereits im Flächennutzungsplan der Gemeinde. Zudem sollen gemeindeeigene Grundstücke im Wohnbaugebiet Seelach verkauft werden, um Wohnbebauung zu ermöglichen. Entsprechende Beschlüsse seien dann im neuen Gemeinderat nach der Kommunalwahl geplant. Auf der großen Leinwand wurden zu dem Thema verschiedene Informationsblätter vor allem zur Lage der Gebiete gezeigt.
 
Bemühen um weiteren Supermarkt
 
Mit dem Discounter am Seelach und dem Vollsortimenter in der Ortsmitte bestehen derzeit zwei Einkaufsmarkt-Angebote in Schwieberdingen. Mit der realisierten Ansiedlung der Bäckerei und Café-Filiale am Seelach im Jahr 2018 wurde nach Worten des Bürgermeisters eine weitere Angebotslücke geschlossen.
 
Bürgermeister Lauxmann berichtete, dass in der Bürgerschaft der Wunsch nach einer Ansiedlung eines zusätzlichen Supermarktes besteht. Eine externe Studie bestätigte den Bedarf. Die Verwaltung führte in der Folge bereits zahlreiche Gespräche mit weiteren Supermarktanbietern. Es wurden auch vorhandene Grundstücke besichtigt, die sich im Gemeindeeigentum oder in Privateigentum befinden. Ein passendes und realisierbares Grundstück sei dabei aber nicht gefunden worden. Deshalb plane die Verwaltung, das im Flächennutzungsplan festgeschriebene Wohnbaugebiet Zollstöckle um die notwendige Fläche für eine weitere Supermarktansiedlung zu erweitern. Die Genehmigung des Verbands Region Stuttgart sowie die Beschlussfassung im Gemeindeverwaltungsverband Schwieberdingen-Hemmingen zur Änderung des Flächennutzungsplans seien notwendige Schritte.
 
Großes Thema: Regionaler Gewerbeschwerpunkt
 
In der Folge informierte der Bürgermeister über die Flächenanfrage zum Aufbau eines Porsche Industrie-Quartiers und seinen Vorschlag an den Gemeinderat, die Bürgerinnen und Bürger über den regionalen Gewerbeschwerpunkt entscheiden zu lassen.
 
Bürgermeister Lauxmann sagte: „Ich bin grundsätzlich der Überzeugung, dass eine moderne Kommunalpolitik sich dann an die Bevölkerung wendet, wenn große und zukunftsträchtige Entscheidungen anstehen. Entscheidungen, die zu Veränderungen für die nächsten Jahrzehnte für die Gesamtgemeinde führen können. Die vorliegende Anfrage der Porsche AG bietet Chancen für unsere Gemeinde. Sie bringt aber ebenso Herausforderungen für die Zukunft.“
 
Eine Industrieansiedlung bedeute auch Flächenversiegelung, die Umwandlung von bisher landwirtschaftlich genutzter Fläche und zusätzlichen Verkehr. Im Positiven stünde die Ansiedlung hunderter neuer Arbeitsplätze und dadurch eine Festigung unseres Wirtschaftsstandortes. Neue Einnahmensituationen für die Gemeinde würden eröffnet, die Schwieberdingen dringend benötige, um die geschaffene gemeindliche Infrastruktur zu erhalten und auszubauen. Bürgermeister Lauxmann: „Es gäbe uns Rückenwind für die notwendige Veränderung unserer Infrastruktur wie beispielsweise unsere Bemühungen, Schwieberdingen an die Stadtbahn anzuschließen, den notwendigen vierspurigen Ausbau der B 10 zu erreichen und die Weinstraßenkreuzung zu optimieren.“
 
Bürgermeister Lauxmann sagte, dass er nach Abwägung von Für und Wider für die Umsetzung des regionalen Gewerbeschwerpunktes werbe. Der Bürgermeister: „Für uns in Schwieberdingen ist diese Entscheidung in vielerlei Hinsicht historisch und von großer Tragweite. Die Verantwortung auch für kommende Generationen gebietet es aber, diese Entscheidung ernsthaft abzuwägen und schlussendlich gemeinschaftlich zu treffen.“ Nico Lauxmann berichtete, dass er sich zum Thema Bürgerentscheid auch mit dem zuständigen Vertreter des Staatsministeriums ausgetauscht habe.
 
In der Folge erläuterte Thomas Kiwitt vom Verband Region Stuttgart, warum Schwieberdingen als Standort eines Regionalen Gewerbeschwerpunktes geeignet sei: „Die jetzt vorgesehene Fläche wurde auch unter Betrachtung der Umwelt- und Verkehrsbelastung geprüft.“ Die Region Stuttgart, durch produzierendes Gewerbe geprägt, habe einen großen und speziellen Flächenbedarf – und dieser sei kaum noch zu decken. Wörtlich sagte Kiwitt: „Uns gehen die Flächen aus.“ Er plädierte engagiert für eine Umsetzung des Regionalen Gewerbeschwerpunktes in Schwieberdingen und sagte: „Sie werden keine bessere Alternative finden als diesen Standort.“
 
Große Aufmerksamkeit erhielten Daniela Rathe und Oliver Bronder von der Porsche AG. Sie stellten die Anfrage für den möglichen Aufbau des Porsche Industrie-Quartiers vor und beantworteten zahlreiche Fragen. Oliver Bronder sagte: „Wir bei Porsche arbeiten intensiv an der Gestaltung der Zukunft. Porsche bekennt sich ohne Wenn und Aber zum Pariser Klima-Abkommen.“ Künftig wolle Porsche einen rein elektrisch betriebenen Sportwagen anbieten, das Unternehmen arbeite konsequent in Zuffenhausen am Umstieg auf die Elektromobilität. Allerdings sei im Stammwerk zu wenig Platz, deshalb würden in Zukunft Aufgaben lokal ausgelagert, ein mögliches Beispiel sei die Fertigung der Cockpits. Das neue Porsche Industrie-Quartier beinhalte eine unternehmenseigene Nutzung als auch die Ansiedlung von Partnerunternehmen zur Unterstützung.
 
Viele Wortmeldungen bei Diskussion
 
Dutzendfach wurden in der nachfolgenden Diskussion Fragen an Bürgermeister Lauxmann, den 1. Beigeordneten Manfred Müller und die Vertreter von Porsche sowie des Verbandes Region Stuttgart gestellt. Ein Schwerpunkt war die Verkehrsbelastung, ein möglicher vierspuriger Ausbau der B10 und die Frage nach dem Stadtbahn-Anschluss. Bürgermeister Lauxmann: „Wenn wir erreichen, dass ein solches Weltunternehmen aufgrund unserer Entscheidung in der Region verbleibt, dann können wir erwarten, dass auch das Land in die Verkehrsinfrastruktur investiert.“ Lauxmann machte deutlich, dass die Gemeinde auf eine wirtschaftliche Weiterentwicklung angewiesen sei: „Wir benötigen für die Umsetzung verschiedener Projekte Mittel, so für den jetzt erfolgten Umbau der Stuttgarter Straße, die angestrebte Sanierung der Glemstalschule für über 24 Millionen Euro oder den Hochwasserschutz der Wohngebiete an der Glems.“ Gewerbesteuer sei nur ein Faktor, sagte der 1. Beigeordnete Müller auf die Frage nach den möglichen Steuereinnahmen. Einnahmen kämen auch aus der Einkommenssteuer. Arbeitsplätze führten insgesamt zu mehr Kaufkraft im Ort und so zu weiteren Steuereinnahmen.
 
Abschließend bedauerte der Bürgermeister, dass nicht alle interessierten Bürgerinnen und Bürger Einlass in die Halle finden konnten. Mit 650 Plätzen sei die Kapazität aus feuerschutztechnischen Vorgaben erschöpft gewesen. Er verwies aber darauf, dass die Diskussion um den Regionalen Gewerbeschwerpunkt fortgesetzt werde.
Nächster Meilenstein ist die Entscheidung des Gemeinderats in öffentlicher Sitzung am 29. April über einen möglichen Bürgerentscheid.
 
Weitere Informationen finden Sie hier